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Vorschau OTF Stuttgart Global 2011: Die Stars der Abend-Gala und Workshopdozenten sind: Amouna, Apsara Habiba, Bambi Sahab, Howeida, Maya, Dr. Mohamed Mostafa Hassan, Mustafa Roshan, Naheda, Shaddai, Soner Demirci, Artemis und Ensemble Oriental Amazones

   

Licht im Tribaldunkel - Berlin in Bewegung

Tribal - eine “neue” Ausdrucksform
Vorab an alle, die es nicht wissen: Tribal in Berlin ist, im Gegensatz zur orientalischen Szene in “Westdeutschland” - wo es die Tanzsparte Tribal seit etlichen Jahren gibt - erst seit sehr kurzer Zeit ein Thema: Es begann, zumindest in “prominenteren Kreisen”, im Jahr 2008, als Beata Cifuentes die unglaubliche Rachel Brice, auch genannt “Die-Tribalqueen”, für einen Workshop (75 Teilnehmerinnen!) nach Berlin holte.

Wichtig ist mir als Autorin, darauf hinzuweisen, dass dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben will. Einige Monate an Recherchen und Unterricht wurden investiert, und natürlich ist auch das “Mehr” an Wissen, das ich in den letzten beiden Jahren dazu erwerben konnte, in irgendeiner Form miteingeflossen. Da mag jedoch auch einiges an mir vorbeigegangen sein - für Fehlendes bitte ich im Voraus um Nachsicht. Ich möchte nun in mehreren Folgen und bunt gemischt in Form von Gedankensplittern das Thema “Tribal” allgemein, insbesondere aber die wenigen Frauen vorstellen, die in Berlin ihren gesamten Auftritts- und Unterrichts-Schwerpunkt auf diese Tanzrichtung (Maja und Tara) oder aber überhaupt erst die Wurzeln für unorthodoxes Bewegungsrepertoire gelegt haben (Raksan), Tribal als Dozentinnen anbieten (Amira Almaas/ATS) und/oder mit Tribal auftreten (Deva-Matissa/Gothic, Duo Rubicunda). Außerdem gibt es auch noch ein paar andere “Tanz-Bewegungen” (Arbeit mit Live-Musik, Nabila), Neues und Noch-Nicht-Genug-Bekanntes aus der Hauptstadt, über das hier berichtet werden soll. Teil eins dieser Serie beschäftigt sich heute schwerpunktmäßig mit

MAJAS DANCE ACADEMY
Studioeröffnung (Siehe Fotoreihe rechts.)
Berlin, Frühjahr 2009. Ich habe in unserer Tanzstudiofest-Welt schon viele Schuhe sich vor den Türen förmlich stapeln sehen, trotzdem freue ich mich auch heute wieder auf die große Party! Es wimmelt von Leuten und in den Räumen sirrt, schwirrt und plappert es. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und schrecklich neugierig: Schon lange nach meiner Initiation durch einen Workshop bei Szene-Star Rachel Brice 2008 möchte ich "tribaln" lernen. Heute nun eröffnet eine mir kaum bekannte Berliner Tänzerin, Maja, frühere Gewinnerin des Nachwuchswettbewerbs der Frankfurter Orienta in der Sparte “Fantasy”, deshalb den "Westdeutschen" tatsächlich eher bekannt als uns Hauptstädtern, ihr Tanzstudio mit dem Schwerpunkt "Tribal" im Norden Berlins.

Hier gilt, obwohl zutiefst in türkischer Hand, immerhin die Postanschrift “Berlin-Mitte”! Riesengroß ist der - einzige - Tanzraum, genauso, wie die Spiegelwand, ein wenig kühl vielleicht, wie ich in den späteren Tanzstunden als frisch eingeschriebene Studentin immer wieder einmal empfinde, aber geschmackvoll und schlicht, wohltuend ohne große Zutaten an orientalischem Tand: 120 Quadratmeter - “alle Achtung”, durchfährt es mich, als ich gemeinsam mit dem Pool der anderen Besucher hier hineingespült werde. Auch die Umkleide ist etwas größer als wir das sonst, zumeist eher eingepfercht, gewohnt sind: Aus meiner Sicht ist schon einmal das ein Zeichen von Respekt vor dem - zahlenden! - Kunden, der da “Schüler” heißt: Nicht immer selbstverständlich in unserer Szene.

Nachdem ich alles inspiziert, ein kleines Halli-Hallo hier und dort ausgetauscht habe - wobei schon auffällt, dass wenig bekannte Gesichter aus der angestammten OT-Szene zu sehen sind -, bin ich nun höchst gespannt auf die Show. Meine Schülerin und Freundin A., bildhübsches, junges Tanztalent erster Güte und heute von mir mitgeschleift obwohl zu meinem Bedauern so gar nicht interessiert am Tribalthema (und frustriert noch dazu, weil ich meinen eigenen aktuellen Tanzkurs soeben schließen mußte), schaut allerdings skeptisch: "Ach, schon wieder überall diese Hausfrauen…", murmelt sie kampfeslustig; ich grinse in mich hinein.

Von Onkeln & Tanten
Denn man kennt das ja schon: Es ist eben so in unserer Szene, da kommen oft auch Oma und Opa, Mutti und Papi, Onkel und Tanten. Und die schlaueren unter den Kollegen, die größere Shows veranstalten, haben diese Tatsache schon immer für sich zu nutzen gewusst, wo dann zwar eher wenig Fachpublikum in den Theaterrängen sitzt, aber dafür ein umso begeisterteres.
SO bindet man eben auch Schüler. Und auf diese Art finanzieren sich sogar die dann nicht einmal groß zu vermarktenden Shows von ganz alleine, Shows, deren Durchführung ansonsten schlicht undenkbar wäre.

Mein Kontakt zu Maja war zwei Wochen vorher eher zufällig durch einen mir bis dato völlig unbekannten jungen Mann, den quirlig-fidelen türkischen Oriental-Tänzer Zadiel entstanden. (Auch von ihm, der wohl weniger ein Erneuerer, jedoch ganz bestimmt aber ein Erfrischer für uns etwas Eingetrocknete OT-Damen ist, wird später noch die Rede sein.)

Auf einem ganz anderen Weg hatte ich wenige Tage vorher ebenfalls von Maja gehört: Bekannte erzählten von einer Tribal-Veranstaltung im Restaurant-Theater LaLuz. Das LaLuz gehört meinen Freunden und langjährigen Flamenco-Lehrern, Guido El Tallo und Ari La Chispa. "Triballica" hieß die Show, die Maja dort veranstaltet hatte, und Guido, kritisch und genau, schwärmte, wie spannend und professionell das gewesen sei. Und: Ausverkauft! Obwohl mindestens einmal die Woche zum Training in seinem Flamenco-Studio am gleichen Ort war diese Veranstaltung leider an mir vorbeigegangen. Und mag ich also auch nicht immer hundertprozent über jede noch so kleinste Keimzelle im Bilde sein:

Genauso vorbeigegangen an der Orientalischen Tanzszene und den ihr zugehörenden TänzerInnen generell schien mir über viele Jahre hinweg der tief empfundene Wunsch, sich immer einmal wieder erneuern, erfrischen und selbst erfinden zu wollen. Mit der Folge, dass Tanzinteressierte dieser Sparte in den letzten Jahren nicht mehr allzu viel Innovatives zu sehen bekamen: Alter Wein in neuen Schläuchen, hart formuliert, doch so kam es mir vor. Anders gesagt: Alte Bewegungen in neuen Kostümen. Aussagewert: gleich null.

Eine stete Reproduktion von Bekanntem, in kleinen Variationen vielleicht, in immer neuen Hochglanzkostümen, doch nicht selten bar jeder tieferen Aussage und, so meine Beobachtung, allzu oft eben auch ohne neu dazuerworbenes Körperbewußtsein und Tanzwissen, das oft aufgesetzte Lächeln dafür jedoch stets inklusive. Zuhauf also Veranstaltungen der "alten" Tänzerinnengarde, ihrer Schüler und Nachfolger (die wir gemeinerweise manchmal die “Haarteilfraktion" nennen ...) Scheckig gelacht habe ich mich auch, als ich die Tage auf einer Veranstaltung im Vorübergehen Zeuge einer wegwerfenden Handbewegung wurde, verbunden mit dem Satz: "...ach, wiedermal so eine Lachkatzen-Veranstaltung hier!". Eine saubere Technik, die in Berlin aufgrund der vielen guten Dozentinnen, die in der Stadt leben, wirklich oft und exzellent präsentiert wird, ist schön: Doch das alleine ist zu dünn, es “trägt” nicht..

Von Innen nach Aussen
Als von ausgefeilter Tanztechnik schon immer Hochfaszinierte muß ich heute konstatieren: Wir sollten nicht immer weiter einer stetig ausufernderen Technik das Wort reden - auch und gerade, wo Tribal so eine extreme und hochsportliche Herausforderung ist - ,sondern parallel dazu auch der inneren Bewegung unsere Aufmerksamkeit schenken, eine Bewegung, die dann klug in eine entsprechende äußere Form gegossen gehört, damit sie anrührt, verstanden wird. Raksan, wunderbare deutsche, in Berlin lebende Ausdruckstänzerin im allerbestgemeintesten Wortsinn, zuhause sowohl in Technik als auch in Emotion, ist eine der führenden Tänzerinnen, die genau das tun: In ganz Deutschland unterwegs ist sie heute eine der gefragtesten Tänzerinnen und Dozentinnen, die eben dieses Von-Innen-Nach-Außen vermittelt; dies noch mehr, seit sie ihre speziellen “Impro-Workshops” kreiert hat, eine Synthese aus dem OT, ihren jahrelangen Zirkuserfahrungen sowie Modern-, Jazz- und Schauspieltraining und, am allerwichtigsten wohl, der tiefen Erkenntnis des Ureigenen: “Durch meinen archaischen Ausdruck sowie durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema der Tanzimprovisation im Allgemeinen und der Gruppenarbeit im Besonderen habe ich bereits intensiv als Workshop-Dozentin und Coach u.a. mit so bekannten "Urgesteinen" wie Neas Tribal und Nesihma zusammengearbeitet. Und so war es auch Gabriella, die mir in einer naechtlichen Videositzung Carolina Nereccio und FCBD vorstellte. Durch meinen eher zeitgenoessischen Tanzstil habe ich immer wieder Schüler aus der großen Fusion-Szene. Es scheint, dass ich wohl nicht konkret zur "Familie" gehöre - obwohl, eine Melodia habe ich auch!”, sagt sie und lacht, “...aber sicher eine ihrer inspirativen Quellen war und bin.”

Raksan: Wegbereiterin
So ist Raksan für mich also definitiv eine der Wegbereiterinnen des Tribal(-Fusion), auch wenn sie selbst das nicht so formuliert. Wie begeistert ich war, als ich 2002 Mitglied in ihrem - damals noch! - laufenden Kurs wurde, das werde ich nie vergessen: Überwunden war die Langeweile über das allzu bekannte Repertoire: Ja, sogar bei meinen eigenen Auftritten hatte ich angefangen, mich zu langweilen! Raksan war stets die innovative unter den Orientalischen Tänzerinnen in Berlin - und nicht nur da - , sie war die Wilde unter uns, noch ehe wir dieses Wort in Verbindung mit unserem heißgeliebten, hocheleganten gelernten “Klassisch-Orientalischen Tanz” überhaupt denken konnten.

Und auch Maja hat beim Oasis-Danse-Nachwuchsensemble (ja, das gab es mal kurz!), dessen Mitglied sie für eine kurze Zeit gewesen ist, augenscheinlich einiges an Inspiration mitnehmen können: Beim Betrachten und Genießen ihrer wirklich kreativen Gruppenchoreografien bekommt man eine Idee davon (siehe auch demnächst folgendes Interview). Berlin hat viele gute Tänzerinnen hervorgebracht. Sauber werden da die in den Studios gelernten Choreos nachgetanzt oder aber zum hundertsten Mal eben selbst mal eine zum unsäglich amerikanisierten "Tamrahenna" oder ägyptischem Belanglos-Pop gebastelt, ganz und immer im Stil des einmal Gelernten bleibend. Für viele von uns, auch für mich, seit 1985 Teil der Berliner Tanzszene und gemeinsam mit Sayed Balaha Mitbegründerin von Egypt Stars, zunächst viele Jahre lang Schülerin der großartigen, den deutschen Weg des OT bereitenden Beata und Jahre später eben der hochbegabten und unkonventionellen Raksan, das heißt, sowohl im hochprofessionellen als auch innovativen Tanzunterricht unterwegs, war bei Shows, Galas und Restaurantauftritten eben kaum noch eine Quelle der Inspiration im ureigensten Tanzpool zu finden: Es galt, “auswärts” zu fischen, zum Modern-, Jazz- und Flamenco-Unterricht zu gehen, um sich weiter entwickeln und auch den OT mit neuem Input auffrischen zu können.

Rachel & Sharon
Mit Überraschung sah ich 2008 die ersten Videos von Rachel Brice auf Youtube. Und DA! blieb mir, wohl uns allen, die wir auf der Suche waren, die Spucke weg. Endlich einmal spürten wir, immer verbunden mit der tiefen Liebe zum OT, wieder eine Herausforderung. Eine prickelnde Lust, etwas zu lernen, etwas Neues, was zwar aus dem OT kommt, aber doch so anders ist, dass es ganz sicher ein paar Jahre dauern wird, das muss klargestellt werden!, ehe man das in einem öffentlichen Raum tanzen, zeigen, präsentieren kann. Gänsehaut hatte ich - so wie halb Deutschland schon lange. Wovon wir Allermeisten im verschlafenen Berlin allerdings wenig mitbekommen hatten.

Genauso war dann der Workshop dieser famosen Tänzerin, mit der es sich auch menschlich schnell warm werden ließ: Humorvoll, freundlich und warmherzig zeigte Rachel uns ihre schier unglaublich virtuose Technik in den - für unsere Verhältnisse mit 75 Teilnehmern viel zu vollen! - Klassen, die die Tanzakademie Cifuentes organisiert hatte. Sprachlos waren wir und allesamt aus dem Häuschen. Etwa ein Jahr später hielt Sharon Einzug ins Tanzstudio von Beata und Horacio Cifuentes: Sharon Kihara, der zweite amerikanische Superstar, den wir nun hier in Berlin erleben dürfen, hat mittlerweile ihren Zweitwohnsitz (der Liebe wegen!) in Berlin: Allerdings ist sie meistens auf Auslandstourneen unterwegs, und so gibt es also keine regelmässigen Klassen in Beatas Studio mit ihr. (Achtung, Herbstintensive 2010!) Sharon gehört in jedem Falle auch zu diesen unerhörten Tribal-Talenten der ganz besonderen Art. Als ich sie dieses Jahr in Duisburg zum ersten Mal tanzen sehe, bin “platt”. Und im Innersten angerührt. Diese (Mädchen-)Frau hat etwas zu sagen und noch dazu die Fähigkeit, das aufgrund ihrer famosen Körperbeherrschung auch tun zu können. Der Auftritt ist so schön und ästhetisch, aber auch so tief, daß ich mich zurückziehen und heulen muß. Im viel späteren Gespräch mit Sharon, verstehe ich dann, was da passiert ist. (Auch dazu: mehr in der nächsten Halima.)
 

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