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Die Hoftänze Usbekistans Der Choremstil
Im Osten Usbekistans, von der Oase Buchara etwa acht Stunden Fahrt durch die Karakum-Wüste entfernt, liegt die mittelalterliche Stadt Khiva. Schon in der Bronzezeit gab es hier Bewässerungsanlagen und über die Jahrhunderte lag der weithin bekannte Rastplatz der Kamelkarawanen, die den langen Weg durch die nur mit Saxaulbüschen, Tamarisken und Sandakazien bewachsenen Sandwüsten gekommen waren, an einem Brunnen, den sie „Cheiwak – oh, wie wohltuend“ nannten. Um diesen Brunnen herum, der noch heute in der Altstadt (usb. Itschankala) erhalten ist, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine Stadt, die ihren 2.500. Jahrestag bereits hinter sich hat: Khiva, die spätere Hauptstadt des Khanats Choresmien. Wie keine andere Stadt in ganz Mittelasien (möglicherweise auch dem ganzen Orient) hat Khiva seinen Charakter als mittelalterlich-orientalische Oasenstadt bewahrt: kein geschmackloses modernes Gebäude zerstört das Bild. Seit 1967 ist Khiva Museumsstadt (aber bis heute bewohnt!) und seit 1990 steht die Altstadt unter dem Schutz der UNESCO und gehört damit zum Weltkulturerbe.
Enge verwinkelte Gassen, aus Pachsa und ungebrannten Ziegeln gebaute Wohnhäuser (Haulis) zwischen prächtigen Moscheen, Palästen, Mausoleen, Madrasas und Minaretten sind über Jahrhunderte unbeschädigt und unverändert erhalten geblieben. Ein zu Stein gewordenes Märchen aus 1001 Nacht, in dem sich heute noch der ganze Zauber des Orients entfaltet und das auch gerne für entsprechende Filmkulissen benutzt wird.
Khiva ist übrigens auch die Heimat von Al-Choresmi, einem persischen Universalgelehrten, Mathematiker, Astronomen und Geographen, der jedoch den größten Teil seines Lebens in Bagdad verbrachte und dort im „Haus der Weisheit“ tätig war. Von seinem Namen leitet sich der Begriff Algorithmus ab.
DER CHORESM STIL
Der dritte der usbekischen Tanzstile ist also in der Heimat der berüchtigten Choresm-Khans zu Hause: der berühmteste Tanz davon ist der Liazgy (nicht zu verwechseln mit dem aserbaidschanischen Lasgi!).
Usbekische Musikinstrumente gibt es viele: Oboen und Trompeten die Surnay und Karnai, Saiteninstrumente die Tar, Dotar, Setar, die Zither Tschang, die Kamanche, die Rubob und die Kobu_, auch die Maultrommel Chang-Kobu_, Trommeln wie die Bechertrommeln Tschildarma und Nagora, am berühmtesten die Rahmentrommel Doira mit den Metallringen am Rand.
Als Idiophone (einfache Schlag- oder Rasselinstrumente) werden Sangi (Glocken), Kairoki (Steine und/oder Metallplättchen) und Teegläser bzw. deren Unterteller verwendet. Letztere werden von der Tänzerin mit einem Fingerhut am Mittelfinger gespielt.
Typisch für den choresmischen Tanzstil ist vor allem der Einsatz der Surnay (Zurna, Surna, in Ägypten Mizmar). Zumeist gibt es „Breaks“ in der Musik: Es werden einige Takte gespielt, dann kommt eine Unterbrechung, in der die Tänzerin eine Position einnimmt. Sodann beginnt die Melodie aufs Neue, bis zum nächsten Break.
Oft fängt ein Stück langsam an und steigert gegen Ende das Tempo erheblich.
Nahe dem Mündungsgebiet des Amu-Darja in den Aralsee gelegen, das vor der ökologischen Aralseekatastrophe ein Tier- und Pflanzenparadies war, findet man in diesem lebhaften, fröhlichen Tanz allerlei ausgefallene und merkwürdige Tanzbewegungen. Ganz eigene Schrittarten geben dem Tanz seine Prägung. Manchmal wird der Tanz auch mit bzw. auf einem Lagan, einem flachen Tablett getanzt. „Eine gute Tänzerin kann auf einer Münze tanzen“. heißt es in Usbekistan.
„Europäische“, große, zielstrebige Schritte sind schon in anderen orientalischen Tanzstilen nicht charakteristisch und gilt noch mehr für den usbekischen Tanzstil.
Flatternde, zitternde, kreisende und schüttelnde Handbewegungen ahmen Tierbewegungen wie das Zappeln der Fische und Flügelschlagen von Vögeln nach.
Manche Bewegungen wie die schnellen Handshimmys erinnern auch an schamanische Geisterbeschwörung. Der Oberkörper schwingt im 6/8-Rhythmus jeweils doppelt von Seite zu Seite, der Kopf tut es ihm nach, die Schultern bewegen sich einzeln oder gemeinsam vorwärts oder rückwärts, nach oben und unten, bis die Musik in ihren eigenartigen Phrasen die Tänzerin zu einem kurzen Stopp in einer ungewöhnlichen Pose animiert. Alles in diesem Tanz ist auf schnelle isolierte Bewegungen ausgerichtet und wird von der Machart des Kostüms mit dem dazugehörigen Schmuckteilen betont: die Ketten und Glöckchen am Hut, welcher mit einer Eulenfeder geschmückt ist; der klimpernde, mit Glöckchen und Metallblättchen bestückte Brustschmuck, Halsketten mit Glöckchen, das Brautdiadem mit Glöckchen, Schläfengehänge mit Glöckchen, der metallene Gürtel, die Armbänder (Sangi) mit den Glöckchen, die Ohrgehänge mit Glöckchen. Manchmal sind an der Rückseite des Mantels noch extra Zöpfe aus Pferdehaar, ebenfalls geschmückt mit Glöckchen, befestigt. Und früher war selbst am Gesichtsschleier der Frauen eine Reihe Glöckchen befestigt und auch die Amulettbehälter zur Abwehr des bösen Blickes und sonstigem Unheil klingelten leise vor sich hin.
Die Tanzbewegungen der Männer ähneln denen der Frauen, die Tracht jedoch unterscheidet sich natürlich. Typisch für die choresmische Männertracht sind die gestreiften Baumwollchalate, gesteppt und im Winter dick gefüttert, dazu eine Mütze aus Karakulfell in Weiß oder Schwarz.
Hauptsächlich Männer sind es auch, die die Komiksequenzen dieses Tanzstils bestreiten: Hahnenkämpfe werden nachgeahmt, Krüppel imitiert. Das elegante Kopfschwingen macht einem abgehackten Kopfverschieben Platz, die Symphonie der isolierten Bewegungen könnte man durchaus als den Breakdancestyle von Usbekistan bezeichnen. Statt der Glöckchen benutzen die männlichen Tänzer lieber die Kairoki, die flachen Steine oder metallenen Blättchen, die paarweise lose in jeder Hand liegen und rhythmisch aneinander geschlagen werden.
Tipp: Usbekische Instrumente ansehen und anhören/Videos ansehen: www.classicmusic.uz
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