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KÖLSCH-FUSION oder GEKONNT UNGEKONNT

Humor und Bauchtanzshows: Das war schon immer ein ganz besonderes Kapitel, nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, und oft war der unfreiwillige Humor der komischste. Doch heute soll hier von einem gelungenen Versuch in Sachen Humor berichtet werden, nämlich der sehr karnevalsträchtigen Show der „Haremswiever“, die in diesem Jahr bereits zum 14. Mal an den Start gingen. Wenn das allein nicht schon einen Tusch wert ist.
Natürlich ist dieses Zwei-Stunden-Programm eine kölsche Geburt und eine kölsche Show, Kölner glauben fest daran, als einzige (nein, korrektes Kölsch wäre, als „allereinzigste“) den Karneval gepachtet zu haben. Und da der Autor selbst Kölner ist, wird hier auch keine Kritik am Karneval zu lesen sein.
Aber zurück zu den „Haremswievern“ (zu Hochdeutsch: „Haremsweiber“) und was dabei herauskommt, wenn sich in Köln ein halbes Dutzend Bauchtänzerinnen zusammentut, um ihre Tänze karnevalistisch aufzupeppen oder Karnevalslieder orientalisch aufzumischen: na, zunächst mal viel Spaß und Frohsinn, denn die Damen scheuen vor gar nichts zurück, nicht einmal davor, sich über sich selbst lustig zu machen.
Werfen wir also einen Blick ins Programm: Vor gut hundert zahlenden Gästen, die teilweise schon vor Beginn in ausgelassener, mitunter sogar sehr ausgelassener Stimmung waren – die meisten schienen zu wissen, was auf sie zukam – rollte eine Nummernrevue ab, die mit immer Neuem aufwarten konnte.
Zu Beginn wanken die Tänzerinnen in an Litfaßsäulen erinnernde Kostümen herein und daraus entwickelt sich „Walk Like an Egyptian“ von der 80er-Mädchenkapelle „Bangles“. Ja, sie tanzen auch so wie damals und die Musik wird von Tablas verstärkt. Selbstredend geraten die Formationen der Mädels durcheinander, was schön beginnt, endet im Wirrwarr, aber wenig später dröselt sich das alles wieder auf. Überhaupt gewinnt man nicht nur bei dieser, sondern auch bei weiteren Darbietungen den Eindruck, dass hier „gekonnt ungekonnt“ getanzt wird. Das Augenzwinkern, das Spiel mit Begriffen und Symbolen ist durchgängig Teil der Darbietungen. Als das internationale Potpourri an der Reihe ist, spielt man die „Internationale“, natürlich auf orientalischen Schlag- und Blasinstrumenten (ja, man muss schon zweimal hinhören) und die Ansagerin beginnt mit der Frage, ob alle die Signale gehört hätten … Und der in Köln nicht gerade ehrenvolle, aber noch nicht so richtig den Tatbestand der Beleidigung erfüllende Ausdruck „Hühner“ für Mädchen und Frauen findet ja auch seinen Niederschlag, wenn bevorzugt Karnevalslieder von der in ganz Deutschland bekannten Kapelle „De Höhner“ gespielt werden; denn nichts anderes als „Hühner“ bedeutet dieser Name ja. Der Höhner-Hit „Dicke Mädchen haben schöne Namen“ kommt mit verfremdetem Text zu Gehör (zwei Haremswiever klagen sich gegenseitig ihr Leid). Wir hören „Die Karawane zieht weiter“, den „Höhnerhoff-Rock“. „Blootwoorsch, Kölsch un’ e lecker Mädche“ und noch andere und bei allen gewinnt man den Eindruck, als hätten De Höhner das insgeheim allein für die Haremswiever geschrieben.
Eine erste richtige Komikmeisterleistung beginnt mit einer Künstlerin, die in Athletenmontur mit viel Gehabe auf einen Stepper steigt, der ans Stromnetz angeschlossen ist. Zwei weitere Tänzerinnen erscheinen, schließen Kronleuchter an und warten darauf, dass die erste auf dem Stepper so richtig in Fahrt gerät und ihre Glühbirnen zum Leuchten bringt. Leider schwächelt die Athletin immer mal wieder, was die beiden Tänzerinnen ein wenig aus dem Konzept bringt (das gekonnt Ungekonnte) und schließlich nehmen sie ihre Tücher und führen einen Schleiertanz auf, der in Wahrheit aber nur dem Zweck dient, der Schwerarbeitenden Luft zuzufächern.
Ein Fusionstück, das zu einer Discofassung von klassischem OT und zu einem Stück von Thomas D. getanzt wird, ist auch dabei. In Verballhornung des Originaltextes singt die Tänzerin „Ich verrenk mich, ich bin ja so gelenkig“ (im Kölschen werden „ig“-Endungen nicht wie „ick“, sondern wie „isch“ ausgesprochen und umgekehrt).
Hübsch auch der Square-Dance – die Damen in Kuhfellweste und kurzem Rock und das hin und her Marschieren dieser Tanzform lockern sie mit Hüftschwüngen und anderen Bauchtanzbewegungen auf; spätestens hier merkt man dann, dass sie doch eine ganze Menge können und davon jede Menge! Wir erleben das später noch einige Male, wenn etwa der schottische Dudelsacktanz mit Hagallas betont wird.
Karneval ist aber nicht nur Frohsinn, sondern immer auch politisches Kabarett (wobei das eine das andere ja nicht ausschließt, gerade in Köln bietet die Politik in diesen Tagen wieder reichlich Anlass zu bissiger Heiterkeit). Und welches Thema böte sich auf einer orientalischen Karnevalsveranstaltung eher an als der Bau der Zentralmoschee im Stadtteil Ehrenfeld? Die Sagengestalt „Mutter Colonia“ und eine türkische Mutti unterhalten sich, bis sie dann gemeinsam „Mer losse de Dom in Kölle“ auf Orientalisch singen: Die Wappenmutter tanzt dazu und die Türkin singt.
Weiter im Printmedium Halima
 

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