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Vorschau OTF Stuttgart Global 2011: Die Stars der Abend-Gala und Workshopdozenten sind: Amouna, Apsara Habiba, Bambi Sahab, Howeida, Maya, Dr. Mohamed Mostafa Hassan, Mustafa Roshan, Naheda, Shaddai, Soner Demirci, Artemis und Ensemble Oriental Amazones

   

Ohne Herz kann keine Kunst entstehen

Dahiba Shafiqa folgt ihrer ägyptischen Seele nach Dahab
Ein kleiner runder Platz in Assala, einem Stadtteil von Dahab, dient als Treffpunkt, Verkehrsknotenpunkt für die paar Autos, Begegnungsstätte und Erholungsort für die Einheimischen. Gemütlichkeit liegt in der Luft, unterstützt von den Wasserpfeifen rauchenden Männern in den Cafés. Die Zeit bleibt stehen und nichts scheint zu eilen. Orientalisch eben. Auch wir stehen hier und wollen uns mit Dahiba Shafiqa treffen, einer Tänzerin, die vor kurzem hierher gezogen ist. Deutsche Pünktlichkeit an dem ansonsten so lethargisch wirkenden Platz. Sie ist mit Kopftuch bekleidet und könnte glatt als moderne Ägypterin mit ihren schwarzen Haaren, dem südländischen Teint und dem markanten Profil durchgehen. Doch ihr Verhalten ist urdeutsch: Sie winkt von weitem, nimmt mich liebevoll in den Arm und freut sich einfach warmherzig, mich wiederzusehen. Wir hatten uns vor Jahren in Kairo beim Ahlan Wa Sahlan Festival von Raqia Hassan kennen gelernt.

Eigentlich wollte ich mit einer Freundin nur einen Relaxurlaub in Naama machen, aber dann erfuhr ich, dass Dahiba nach Dahab gezogen ist. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, denn ich hatte sie ja noch nie tanzen gesehen.
Somit hatte ich mich mit ihr mitten in meinem Urlaub auf diesem Platz verabredet. Von Relaxurlaub war allerdings keine Rede, denn bereits kurz nach der Landung entführte uns Saif vom Isis Basar München, der zufällig auch dort Urlaub machte zu den Beduinen in die Wüste. Nicht irgendjemand empfängt uns hier, sondern Said, der Scheich der Beduinen Howeitat in seinem neu errichteten Haus mitten in einem Tal in der Wüste. Sogar eine Ziege und ein Huhn werden uns zu Ehren geschlachtet. Der Scheich ist eine stattliche Erscheinung mit einer sympathischen, charismatischen Ausstrahlung bei dem viele Frauenherzen höher schlagen. Wir verbringen einem wundervollen Abend mit ihm und seinen Freunden, der neben dem vorzüglichen Essen auch tiefe Einblicke in die Männerkultur der Beduinen und Ägypter zulässt. Wann haben wir deutsche Männer so albern, rumtollen und Quatsch machen sehen? Das ist lange her.
Said zeigt mir ein Video von einer Reise, die er für Ayun und ihre Schülerinnen organisiert hat, nach Ras Mohammed, dem Naturschutzgebiet bei Scharm El Scheich.
Im Sand tanzen die Teilnehmerinnen mit einem tollen ägyptischen Lehrer vor der Kulisse des Roten Meeres an einem einsamen Strand unter blauem Himmel und werden von den Beduinen kulinarisch verwöhnt. Da ich ja auch Tanzreisen organisiere, will ich mir natürlich diese Örtlichkeiten genau anschauen und so entführen uns die Beduinen am nächsten Tag nach Ras Mohammed. Herrlich, die Farben, die einsamen Strände und die farbenprächtigen Fische und Korallen unter Wasser. Am liebsten würde ich die ganze Woche hier bleiben und plane mit dem Scheich eine Tanzreise für 2012!

Der nächste Tag bringt uns nach Dahab zu unserem Treffen mit Dahiba.
Schon seit sehr langer Zeit folgt Dahiba ihrem Herzen und geht den Weg zurück zu ihren Wurzeln, in das Land ihrer Vorfahren, Ägypten.
Jetzt ist sie angekommen, um dort zu leben und zu tanzen, denn der Tanz ist ihr ständiger Begleiter. Genüsslich flanieren wir über die Uferpromenade und genießen den alten Hippieflair der 70er Jahre, die Ruhe und den Wind am Meer. Abends begleiten wir Dahiba zu ihrem Auftritt im Iberotel Dahabeya, einer wunderschönen 4-Sterne-Anlage mit vielen deutschen Gästen.

Ihr Tanz jedoch ist eine Offenbarung. Hier kommen ihre ägyptischen Wurzeln stark zum Tragen, gepaart mit der deutschen Gründlichkeit eine fantastische Mischung. Zwei Seelen wohnen auch in ihrer Brust, aber wenn dies zu einem so feinen, eleganten Tanzstil fusioniert, ist dies einfach nur klasse. Erst dynamisch, kraftvoll und trotzdem voll Grazie im klassischen Raqs Sharqi, dann wehrhaft im Saïdi und kokett und humoristisch bei der Melaya, zeigt sie nicht nur einiges ihrer tänzerischen Bandbreite, sondern auch ihres Ausdruckstalentes. Egal was sie tanzt, sie ist mit Herzblut und jeder Faser ihres Seins dabei. Ich bin begeistert und schaue mich unter den Gästen um. Viele sind begeistert und gehen so richtig mit. Aber es gibt auch die Gäste der Kategorie „An jedem gibt’s ja was auszusetzen“ oder „Hoffentlich holt sie mich nicht“. Diese verfolgen alles mit skeptischem Blick und aus anderen Touristenerfahrungen kurz vor der Flucht. Aber die typische „Touristenzum Affen machen“-Aufforderung gibt es hier nicht, nein, Dahiba fragt am Schluss überraschend für viele in reinstem Deutsch: „Wollt ihr noch mehr sehen?“ Und sie zeigt mehr von ihrer Tanzkunst, die ihr sichtlich mehr am Herzen liegt, als alberne Aufforderungen und peinliche Situationen heraufzubeschwören.
Dahiba Shafiqa hat ein festes Engagement im Iberotel Dahabeya und zusätzlich zu ihrem abendlichen Showprogramm bietet sie auch hier regelmäßige Kurse an.
Begeistert von dieser Frau nehmen wir Abschied von Dahab, etwas zögerlich, da wir drei Anläufe brauchen um die Polizeisperren aus Dahab zu überwinden und herauszukommen. Taxis dürfen nicht aus Dahab heraus, warum weiß der liebe Gott, nur Busse. Und bis einer gefunden ist, haben wir den 5. Fahrer an diesem Tag verschlissen. Aber was auch passierte, wir haben uns von den Ägyptern immer gut versorgt und behütet gefühlt.

Am nächsten Tag lädt uns unser Scheich noch zu einem Kamelrennen ein, bei dem sich die Stämme des Südsinais treffen. Eine einmalige Gelegenheit, diese Beduinenkultur zu studieren und die unvergleichliche Atmosphäre zu erleben.

Ab dann sind wir 08/15-Touristen, die irgendwie versuchen, dem Rummel der überbevölkerten Strände und Straßen zu entfliehen und dies ist nur auf Exkursionen möglich. Wir erobern die wunderschöne Unterwasserwelt, einmal mit dem U-Boot und einmal mit dem Schiff mit Schnorchelstopps!
Unser Fazit der Reise: Das nächste Mal nur bei Beduinen in Ras Mohammed oder zu Dahiba nach Dahab mit seinem Hippieflair! Nie wieder Scharm El Scheich und Naama, diese lärmende Touristenmetropole!

Das Interview
Du bist vor ein paar Monaten nach Dahab auf dem Sinai/Ägypten gezogen. Nun überlegst du, deine Zelte in Deutschland abzubrechen. Was hat dich dazu bewogen und wie kam es zu dieser endgültigen Entscheidung?
Meine Sehnsucht nach Ägypten und mein Wunsch dort zu leben und zu arbeiten besteht schon seit ewiger Zeit. Ich habe dabei allerdings nie an Dahab gedacht! In meinen Gedanken war immer Kairo, weil dort auch meine letzten Vorfahren gelebt haben. Aber wie man sieht: Der Mensch denkt und Gott lenkt!

Was hast du alles so erlebt seit deiner Ankunft in Dahab?
Ich habe erst einmal die Gegend erkundet, um mich örtlich zurecht zu finden. Ich habe nämlich einen schlechten Orientierungssinn. Bei diesen „Erkundungsgängen“ habe ich viele Leute kennen gelernt, Gespräche geführt bei denen ich mein Arabisch aus der „Versenkung“ holen und wieder zum Leben erwecken konnte, den Supermarkt in meiner Nähe gefunden, wo ich täglich einkaufe, denn das ist ja auch für das normale alltägliche Leben wichtig und meinen „persönlichen“ Taxifahrer kennen gelernt, der mich zu all meinen Auftritten fährt und den ich auch als Mensch sehr schätze.
Beruflich standen dann viele Termine zu Gesprächen mit verschiedenen 4- und 5-Sterne-Hotels an, bei denen es um meine Engagements als Tänzerin, die Planung der Unterrichtsstunden für die Gäste und die Terminplanung für meine Tanzreisen ging. Bei diesen Meetings mit Hotelmanagern konnte ich auch sehr viel Neues entdecken und lernen.
Wie gestalten sich die Behördengänge und was brauchst du alles für Genehmigungen?
Die Behördengänge gestalten sich im Grunde genauso wie in Deutschland auch. Wie immer bei behördlichen Sachen, sollte man sich besser vorab kundig machen, welche Unterlagen man wofür benötigt, so erspart man sich sicher Zeit und doppelte Wege. Genauso wie man sich ja vor dem ersten Flug nach Ägypten nach dem normalen Touristenvisum erkundigt, wo man es bekommet und was es kostet. Der Ablauf ist der gleiche, er unterscheidet sich natürlich individuell nach Vorhaben und Aufenthaltsdauer der Person. Für Ausländer (nicht aus allen Ländern) ist es möglich, ein Visum für ein Jahr zu beantragen. Dafür muss man zum Emigrationsamt nach El Tur fahren. Das sind ungefähr zwei Stunden Fahrt mit dem Auto von Dahab.
Für Leute mit ägyptischem Emigrationshintergrund kann ein Visum für 5 Jahre ausgestellt werden. Dafür benötigt man Unterlagen wie Geburtsurkunde etc., also Nachweise über die ägyptische Herkunft. Dieses Visum kann aber nicht in El Tur beantragt werden, sondern nur in Kairo. Ich muss dann also mit dem Bus acht Stunden nach Kairo oder nehme die bequeme Variante mit einem Inlandflug.

Du siehst sehr ägyptisch aus. Hilft dir dies in Ägypten?
Ich denke nicht, das es mein ererbtes ägyptisches Aussehen ist, das mir hilft, sondern etwas, das aus meinem Innern kommt. Ich liebe Ägypten und seine Menschen.
Liebe ist bedingungslos und lässt mich mit dem Herzen sehen, nicht mit dem Verstand.

Wer hat nicht schon daran gedacht im Urlaub, einfach auszusteigen und in der Sonne zu bleiben, aber immer hält einen etwas in Deutschland zurück.
War dies der richtige Zeitpunkt in deinem Leben?
Für mich ist es kein Aussteigen, es ist wie ein Zurückkommen. Ob es der richtige Zeitpunkt war, weiß ich nicht, denn wie gesagt: Der Mensch denkt und Gott lenkt! Ich versuche, auf meine Führung zu hören und wie es aussieht, war mein Umzug nach Dahab für diesen Zeitpunkt vorgesehen.

Wie bist du aufgewachsen?
Ich hatte eine konservative, zuweilen sehr strenge Erziehung mit festen Regeln, die aber zuließ, dass sich meine eigene Persönlichkeit entwickeln konnte, denn schon als Kind hatte ich einen sehr starken Willen.

Wie kam es dazu, dass du Tänzerin wurdest?
Weil ich es immer schon sein wollte! Punkt.

Was waren oder sind deine großen Vorbilder?
Du fragst nach Vorbildern im orientalischen Tanz, Brigitte (lächel, lächel …)? Humor ist auch etwas sehr wichtiges!
Fast jeder hat sicherlich Vorbilder und das ist auch gut. Was ich persönlich dabei ganz wichtig finde ist, das man nicht versucht, diese nachzuahmen (vielleicht als Parodie, ja, das kann witzig sein …), sondern seine eigene Persönlichkeit im Tanz darstellt. Bis das soweit ist, dauert es natürlich eine Weile, aber ich finde der Weg lohnt sich.
Vorbilder sind für mich die Tänzerinnen (oder Tänzer), die in mir, wenn ich ihnen beim Tanzen zusehe, ein ganz tiefes, inniges Gefühl erwecken, wenn sie etwas mit dem Herzen transportieren und ich ihnen stundenlang zusehen könnte.
Du möchtest sicher auch Namen von ganz berühmten Tänzerinnen, die ich als Vorbilder sehe, von mir hören? Ja, das sind Mona El Said und Suheir Zaki.
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